Samstag, 11. August 2012

Bananen-Pestil


 
Pestil ist eine türkische Süßigkeit, die meistens aus eingedicktem Traubensaft in verschiedenen Arten zubereitet wird. In der ursprünglichen Methode werden Pistazien oder Nüsse auf einem Faden aufgezogen. Diese oft recht lange Fäden voller Nüsse werden dann immer wieder durch die eingedickte Traubenmelasse gezogen und getrocknet. Die Fäden werden dann aufgehängt und bei Bedarf immer etwas mit der Schere oder einem Messer abgeschnitten. Der eingedickte, süße Traubensaft wird nebenbei bemerkt auch als Süßungsmittel verkauft und wie Agavensirup oder Ahornsirup verwendet. In einer anderen Methode wird der eingedickte Traubensaft auf Tücher geschüttet und auf dünne Teppiche im Garten direkt in der Sonne getrocknet. Nach dem Trocknungsprozess wird die noch elastische, trockene Masse, in der auch manchmal kleingehackte Nüsse eingestreut wurden, von den Tüchern abgezogen. Da die Masse in dieser Konsistenz ein wenig an Leder erinnert, wird sie bei uns als Fruchtleder bezeichnet. Zum Nachtrocknen wird die noch leicht klebrige Masse auf Wäschleinen aufgehängt oder über runde Holzbalken gelegt, bevor sie dann wie Stoffe gefaltet auf dem Markt angeboten werden. Wer möchte kann sich hier ein Video zu diesem Herstellungsprozess ansehen oder in die Google Bildsuchmaschine einfach Pestil eintippen und sich dann Fotos davon ansehen.

In neuerer Zeit wird Pestil oder türkisches Fruchtleder auch aus anderen eingedickten Obstsäften und Fruchtpasten hergestellt. Bei eingedickten Obstsäften wird oft auch noch etwas Stärkemehl zugesetzt. Da wir gerade einen Schwung überreifer Bananen hatten, bereiteten wir Pestil mit den Bananen zu. Der Herstellungsprozess ist relativ einfach, benötigt nur entweder viel Energie oder Zeit und einen zugigen trockenen Ort, da wir mit Sonne hier nicht so gesegnet sind und es immer wieder plötzlich regnen kann. Das Ergebnis, das wir als gesundes Naschen bezeichnen könnten, ist unglaublich lecker. Die Konsistenz erinnert etwas an die Gummibärchen. Eine Nascherei, die daher auch von Kindern geliebt wird. Wir haben in unserem Rezept Zitronensaft verwendet, damit die Bananen nicht braun werden. Mit Kurkuma wollten wir den natürlichen Gelbton der Bananen verstärken. Mit Pektin und etwas Zucker die Konsistenz in Richtung Gelee verstärken und das Aroma mit Vanillezucker etwas abrunden. Wer möchte, kann diese Zutaten auch weglassen und Pestil einfach auch völlig zuckerfrei nur mit den Bananen zubereiten.

Zutaten:
1 kg reife Bananen
Saft von 2 Zitronen
2 EL Zucker
1 gestrichener TL Apfelpektin
1 Pkt. Vanillezucker
ein paar Messerspitzen Kurkumapulver (= Gelbwurz)
  1. Zitronen auspressen.
  2. Bananen schälen und in eine Schüssel geben.
  3. Zitronensaft darüber gießen.
  4. Mit dem Stabmixer pürieren.
  5. Bananenpüree in einem Topf geben und erhitzen.
  6. Pektin, Vanillezucker und Zucker mischen und dazuschütten.
  7. Unter mittlerer Hitze zum Kochen bringen und kräftig rühren, damit sich nichts am Topfboden ansetzt. Vorsicht! Die Masse spritzt. Eventuell Gummihandschuhe anziehen um sich vor Verbrennungen zu schützen.
  8. Solange rühren bis der Kochlöffel eine Spur hinterlässt, die sich nicht mehr schließt.
  9. Backblech mit einem Backpapier auslegen. Wer eine Silikonmatte hat, kann auch diese verwenden. 
  10. Masse daraufschütten und mit einem Teigschaber oder Teigspachtel gleichmässig verteilen.
  11. In das Backrohr stellen. Backrohr auf 70 °C einstellen. Mit einem dicken Ende einer Schneerute oder einem andern Küchengerät, das Backrohr offen halten.
  12. Nach 6 bis 7 Stunden sind sie dann trocken.
  13. Mit einem Teigroller in Streifen schneiden und kleine Röllchen drehen. Dickere Flächen können auch mit einem Ausstecher ausgestochen werden.
 überreife Bananen
 geschälte Bananen und Zitronensaft in einer Schüssel
 fertig pürierte Bananen
 am Kochen, Blubbern und Spritzen
 fertige Masse - sie hält beim Durchziehen mit dem Kochlöffel die Spur
(Bananen bräunen immer etwas nach, selbst beim Einfrieren)
 mit Kurkumapulver eingefärbt
 Auf ein Blech mit Backpapier 3 bis 5 mm ausgestrichen
(wir haben hier unser amerikanisches, wiederverwertbares Backpapier verwendet. Normales Backpapier wellt sich möglicher Weise. Wer eine Silikonmatte hat kann
auch diese nehmen.)
Schneebesengriff hält die Backrohrtüre offen 
 Fertiges Pestil vom Backpapier abgezogen
 Mit Teigroller zugeschnitten
 Zugeschnittenes Pestil und Röllchen
fertige Röllchen
vorne mit einem dünnen Streifen Pestil zugebunden - sieht nett aus
und lässt sich so in einer schönen, Schachtel gut verschenken
Tipps:
  • Es funktioniert möglicherweise auch ohne Backpapier. 
  • Standmixer statt Stabmixer funktioniert auch.
  • Pestil kann mit jedem Fruchtsaft oder Fruchtmus zubereitet werden. Früchte zerkleinern und mit etwas Wasser weichkochen. Mit der Flotten Lotte, Standmixer oder Stabmixer pürieren und eventuell durch ein Sieb streichen. Nach Geschmack zuckern und würzen oder pur lassen und wie im obigen Rezept weiter verfahren.
  • Ein Messer statt dem Teigroller verwenden.
  • In einem Dörrschrank trocknen.
  • Nur mit Bananen ohne Zusätze zubereiten.
  • Kann auch in Zickzacklagen gelegt (Eingangsfoto oben) und zusammengepresst werden. Platzsparend für unterwegs. Oder ein paar noch klebende Streifen übereinander schichten und fest zusammenpressen. In Gummibärchengröße mit einem Messer zuschneiden.
mehrere Schichten in Gummibärchengröße 
zusammengepresst als Kraftnahrung für unterwegs

Kommentare:

  1. Ich bin restlos beeindruckt von deinem "Gummibärchen-Ersatzprodukt". Ob Orangen-, Pflaumen-, Birnen- oder jetzt gar noch ein Bananenpestil, deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das muss ich unbedingt mal ausprobieren, ich bin ja auch ein Süßmäulchen. Ich denke, mit deiner tollen Anleitung sollte ich das hinbekommen. Und überreife Bananen fallen ja immer mal an.
    Ganz liebe Grüße von Barbara

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    1. Danke Barbara! ♥ Ich liebe süße Naschereien, die ohne oder mit nur wenig Zucker auskommen. Die Bananenversion gefällt mir da am Besten.

      Liebe Grüße
      Anna

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